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TobiasTauch - tragmichein -interview
TobiasTauch - tragmichein -interview

Vor und gerade auch während der Gründung des eigenen Unternehmens wird man mit vielen Fragen konfrontiert, die einem gerade als „Frischling“ das Leben schwer machen. Was gehört in einen Businessplan? Welche Rechtsform bietet sich für das Unternehmen an? Wie akquiriert man Mitarbeiter und bindet sie an das Unternehmen? Und wie bekommt man die Buchhaltung in den Griff?

Mit der Eventreihe „Dein Tag zum Gründen“ bieten die Veranstalter Tobias Tauch und Ben Kasselmann Hilfestellung für Gründer und Startups. Auf den eintrittsfreien Veranstaltung erwarten den Besucher Vorträge, Erfahrungsberichte und Workshops von wechselnden Referenten und Experten. Wir haben Tobias Tauch zum Interview geladen, um mehr über die Veranstaltungsreihe und ihre Macher zu erfahren.

Erkläre kurz worum es bei der Veranstaltung Dein Tag zum Gründen geht?
Tobias: Dein Tag zum Gründen ist ein Gründertag für das digitale Zeitalter. Bei der Veranstaltung geht es darum, angehenden Gründern und jungen Unternehmern bei dem Weg in die Selbstständigkeit und bei der Festigung der eigenen Firma zu helfen. Das Programm orientiert sich an unseren Erfahrungen als Gründer und nicht daran, was BWL-Lehrbücher erklären. So schaffen wir ein praxisnahes und authentisches Programm für die Besucher, für die die Teilnahme kostenfrei ist.

Beschreibe kurz die Entwicklung von Dein Tag zum Gründen – von der Gründung bis jetzt.
Tobias: Nach der Premiere im vergangenen Jahr stellen wir aktuell die Programme und Referenten für die Termine in diesem Sommer zusammen. Nachdem wir 2014 auf 100 Teilnehmer gehofft und dann mit 220 Besuchern vollkommen überwältigt waren, bereiten wir in Köln aktuell alles für bis zu 300 Gäste vor. Zugleich integrieren wir mit dem „Startup Channel“ einen Vortragszweig für Themen, die typischerweise im ersten bis dritten Geschäftsjahr in den Köpfen von jungen Unternehmern stecken. Hiermit möchten wir die Teilnehmer des vergangenen Jahres und die regionale Startup-Szene mit einladen und Dein Tag zum Gründen zu einem wirklichen Treffpunkt für den Mittelstand von morgen machen.

Bei der Auswertung der Besucherstruktur im vergangenen Jahr haben wir zudem einen Bedarf in den Regionen Ruhrgebiet und Ostwestfalen-Lippe festgestellt, denen wir mit unseren Terminen in Dortmund und Bielefeld nachgehen.

Aus dem Feedback ist zudem „Dein Tag zum Finanzieren“ entstanden, der im April zum ersten Mal stattfand und auf die Aspekte Unternehmens- und Wachstumsfinanzierung abzielte und für die wir sehr gutes Feedback erhalten haben. Nun überlegen wir, wie wir eine solche Veranstaltung noch besser bei jungen Gründern und Startups platzieren können.

Wie viele Menschen arbeiten an Dein Tag zum Gründen?
Tobias: Das Team besteht eigentlich nur aus meinem Co-Veranstalter Ben Kasselmann und mir. Wir beide planen Programm, kümmern uns um Sponsorings, Kooperationen und alles, was mit den Veranstaltungen zusammenhängt. Bei vielen Punkten werden wir außerdem mit der Expertise unserer aktuellen und vergangenen Referenten, sowie vor Ort von vielen helfenden Händen aus dem eigenen Netzwerk und der örtlichen Location unterstützt.

Wo sitzt euer Unternehmen? Habt ihr euch aus einem bestimmten Grund für diesen Standort entschieden?
Tobias: Die Firma hinter Dein Tag zum Gründen hat ihr Büro im Kölner STARTPLATZ bezogen. Der STARTPLATZ ist ein CoWorking-Space mit sehr guter Anbindung und einer der wichtigsten Hotspots der regionalen Gründerszene. So bleiben wir in Kontakt mit vielen anderen Unternehmen der Digitalwirtschaft – als Dienstleister für Startups und Gründer ein klarer Standortvorteil!

Beschreibe kurz die Gründerszene in Köln.
Tobias: Köln verfügt über eine aktive Gründerszene, die mit vielen Events und Angeboten im ständigen Austausch ist und sich so gegenseitig beflügelt. Zudem ist die Dichte an etablierten Firmen und Konzernen sehr förderlich für junge Gründer, denn hierin liegen potenzielle Kunden und Kapitalquellen.

Dies kann jedoch auch Nachteile mit sich bringen, wenn mit ihnen um Personal gekämpft werden muss – Startups sind noch viel mehr auf kluge Fachkräfte angewiesen. Die eben erwähnte Vernetzung ist zudem zwar sehr fortgeschritten und vorbildlich, aber noch lange nicht am Ziel: Hier liegt noch viel Potenzial, vor allem bei der Einbindung von öffentlichen Institutionen, Ämtern und der „Old Economy“. Hier wurden in den vergangenen zwölf Monaten zwar Fortschritte gemacht, doch mit wenig Aufwand und einem wirklich offenen Dialogkreis könnte hier meiner Einschätzung nach noch sehr viel mehr möglich sein.

Wie schätzt du die Gründerszene in Deutschland ein?
Tobias: Regional sehr unterschiedlich. Wir haben die vier Großstädte Berlin, Hamburg, München und Köln, die sehr stark und dabei vor allem laut sind. Zugleich stammen sehr spannende Startups und erfolgreiche Gründercluster aus Düsseldorf, Stuttgart und vielen anderen Cluster-Regionen, die allesamt stark sind. Zugleich hatten wir selten so wenige Neugründungen wie im vergangenen Jahr und die politischen Rahmenbedingungen könnten deutlich besser sein. Trotz aller Punkte, die verbessert werden könnten, entstehen viele spannende Startups. Obwohl das Potenzial in den Köpfen da ist, glaube ich nicht, dass Deutschland aktuell einen Weltmarktführer im digitalen Consumer-Sektor hervorbringen könnte – hier gibt es zu viele Beschränkungen und zu zögerliche Geldgeber. Ich glaube eher, dass aus der aktuellen Gründerszene ein gesunder, neuer Mittelstand hervorgehen kann.

Was würdest du dir von Deutschland als Gründungsstandort wünschen?
Tobias: Mehr Flexibilität seitens der Behörden und der Politik. Weniger Angst vor digitalen Geschäftsmodellen. Einen der digitalisierten Zeit angepassten gesetzlichen Rahmen, der uns zu z. B. den USA, England oder Israel konkurrenzfähiger macht. Und eine Gründerszene, die bundesweit an einem Strang zieht. Aktuell wird hier oft nur auf den eigenen Standort oder das eigene Netzwerk geschaut – mit mehr Kooperation an dieser Stelle würde die deutsche Gründerszene sich hier schon einige Probleme selbst entledigen.

Tauscht man sich mit anderen Gründern aus? Und wenn ja, wie und wo?
Tobias: Der Austausch zwischen Gründern, aber auch mit Mittelständlern und großen Unternehmen ist unverzichtbar für die Fortentwicklung des eigenen Produkts und der Szene gesamt. Gründer untereinander nutzen hier vor allem die sozialen Netzwerke und kleine Meetups, in Köln zum Beispiel das Startup BBQ im STARTPLATZ immer am zweiten Donnerstag im Monat oder das Startup Breakfast des Web de Cologne an wechselnden Standorten. Um Kontakt aus der regionalen Szene heraus zu bekommen, eignen sich Veranstaltungen wie der jährliche e-Marketing Day, große Messen oder auch die Pirate Summit – alles Events, die auf gar keinen Fall Zeitverschwendung sind!

Wie fühlt es sich an, sein eigener Chef zu sein?
Tobias: Es ist eine spannende Herausforderung, die man jeden Tag wieder neu für sich annimmt. Es ist ein bisschen vergleichbar mit einem Abo im Fitness-Studio: Erfolg hast du nur, wenn du dir selbst in den Hintern trittst, dir deine Ziele immer vor Augen hältst und sie immer wieder nach oben anpasst.

Wer hat Dich bei der Gründung des Startups moralisch unterstützt?
Tobias: Wichtig für mich waren zum einen die Familie, die zugleich auch wichtiger Kritiker war und viele Dinge hinterfragt hat. Zum anderen natürlich das bestehende Netzwerk, mit dem ich bereits zusammengearbeitet hatte.

Welchen Problemen musstest du dich während der Gründung des Startups stellen?
Tobias: Es ist ein einfacher Schritt zum Notar, den man gerne unterschätzt. Eine Kapitalgesellschaft macht deutlich mehr Arbeit als das einfache Arbeiten als Freelancer. Es war eine Umstellung in Aufzeichnungen und Buchhaltung nötig. Vieles, was ich vorher selbst gemacht hatte, liegt nun bei Dienstleistern – der Klassiker hier ist z. B alles, was mit der Steuer zu tun hat.

Welche Ratschläge würdest Du anderen Gründern geben?
Tobias: Nehmt Ratschläge an und sucht den Austausch mit anderen Gründern und Unternehmern! Aus ihren Erfahrungen und Fehlern kann man eigene Fehltritte vermeiden.

Gibt es ein Startup, wo du gerne mal hinter die Kulissen schauen würdest und warum?
Tobias: Ich würde gerne einmal einen uneingeschränkten Einblick in den Brutkasten der Samwer-Brüder bekommen. Ich bin sehr skeptisch, dass das „Konzept Rocket Internet“ nachhaltig gewinnbringende Unternehmen schafft und würde mich hier gerne eines besseren selbst belehren.

Wie sieht für dich ein optimaler (freier) Sonntag aus?
Tobias: Als junger Vater nehme ich mir fast jeden Sonntag und auch so viel Zeit darüber hinaus für meinen Sohn und meine Frau. Gerade seit dem Eintreffen des eigenen Nachwuchses, merke ich, dass Arbeit wirklich „nur“ die Nummer zwei im Leben sein sollte. Allen Gründern rate ich aber, tobt euch bis zum ersten Kind aus – danach fällt es einem automaisch schwerer, volles Risiko einzugehen. Und das ist einer der wenigen wirklich spannenden Vorteile für einen jungen Unternehmer.

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